Konjunkturmonitor 2017

Von Christoph Sochart (Text)

Trotz vieler Unsicherheiten wird auf Wachstum gesetzt

Die Unsicherheiten und Unwägbarkeiten in den Düsseldorfer Betrieben sind weiterhin groß. Das liegt vor allem an den zahlreichen außenpolitischen Themen, denn die meisten Unternehmen in der Landeshauptstadt sind mehr als abhängig vom Außenhandel. Über 96 Prozent liefern regelmäßig ins Ausland. Insofern spielen der Wahlausgang in den USA, die Androhung von Zöllen und Handelsbeschränkungen, der Brexit, die sehr unsichere Lage in Russland und der Ukraine und die anhaltende Wachstumsschwäche in der EU auch bei unseren Betrieben lokal eine große Rolle.

Auch innenpolitisch gibt es viele Fragezeichen – zu nennen sind hier beispielsweise die Landtagswahlen im Mai und die Bundestagswahl im Herbst. Auch dies hat unmittelbare Auswirkungen auf das Geschäftsumfeld der Düsseldorfer Unternehmen und kann ihre Anreize bremsen, mit Investitionen ihre Produktionskapazitäten zu pflegen und gegebenenfalls zu erweitern.
Auch der Themenbereich rund herum um die Flüchtlinge wird in den kommenden Monaten eine große Rolle spielen. Hier geht es beispielsweise um Eingliederung in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Aus diesem Anlass heraus haben wir diesmal das Thema „Flüchtlinge“ als zweiten Schwerpunkt für heute gewählt.
Dennoch wird sich die konjunkturelle Expansion fortsetzen. Die Stimmung in den Unternehmen ist gut. Das Tempo wird trotz der gestiegenen globalen Verunsicherung und eines realen Bruttoinlandsprodukt von nur noch 1 Prozent nicht nachlassen.

Auftragseingang im 4. Quartal 2016

Um die Entwicklung dieses Jahres beurteilen zu können, ist es nicht unbedeutend, wie die Unternehmen das vergangene Jahr beendet haben. 72 Prozent unserer Mitgliedsbetriebe beziffern die Auftragseingänge vom 4. Quartal im Vorquartalsvergleich als „besser“ oder „gleichbleibend gut“. Beim letzten Mal sagten dies 60 Prozent aller Unternehmen. 28 Prozent sind mit dem Auftragseingang nicht zufrieden (2015: 40 Prozent). 74 Prozent sagten der Umsatz im Dezember sei „besser“ bzw. „gleichbleibend gut“ gewesen. 2015 sagten dies „nur“ 58 Prozent. 26 Prozent bewerten den Umsatz im Vergleich zum Vorjahresmonat als „schlecht“ oder sogar „schlechter“.

Geschäftserwartungen für die nächsten 6 Monate

  • Die Unternehmen vertrauen der in- und ausländischen Nachfrage offenbar immer stärker. 63 Prozent der Unternehmen erwarten ein „besseres“ oder „gleichbleibend gutes“ Geschäft in den kommenden 6 Monaten (vorher 55%). 37 Prozent befürchten „gleichbleibend schlechte“ oder sogar „schlechtere“ Monate (vergangene Umfrage: 45%).
  • Arbeitsmarkt: 78 Prozent aller Unternehmen werden im Angestelltenbereich mehr Menschen einstellen bzw. die Mitarbeiterzahl unverändert belassen. Für 2016 sagten dies 67 Prozent. 22 Prozent werden allerdings auch Personal abbauen (Umfrage vor einem Jahr: 33%). Im gewerblichen Bereich bleiben die Zahlen fast unverändert positiv: 76 Prozent der Unternehmen werden keine Entlassungen vornehmen oder sogar mehr Menschen einstellen. 24 Prozent planen einen Personalabbau (2015: 25%).
  • Diese Entwicklung macht sich auch im Ausbildungsmarkt bemerkbar. Der Fachkräftemangel erhält als Konjunkturrisiko eine zentrale Bedeutung. Vor allem Industrie und IT-Dienstleister sehen den Fachkräftemangel als drohende Konjunkturbremse. Das hat positive Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt. Nur 11 Prozent planen einen Abbau. 89 Prozent der Unternehmen werden die Zahl der Ausbildungsplätze nicht antasten oder sogar erhöhen. 2016 war diese Zahl mit 82 Prozent bereits sehr hoch, konnte jetzt aber erneut gesteigert werden. Immer mehr Unternehmen engagieren sich auch in den Projekten der präventiven Berufsorientierung der Unternehmerschaft Düsseldorf, beispielsweise bei den Lernpartnerschaften und den Düsseldorfer Tagen der Studien- und Berufsorientierung. Neu an den Start geht die Düsseldorfer Praktikumsbörse: auch hier erhoffen wir uns starke Impulse aus den Unternehmen unserer Stadt. Mit Oberbürgermeister Thomas Geisel planen wir eine Ausbildungsoffensive für Düsseldorf.

Wirtschaftspolitik für NRW

Die Unternehmen in Düsseldorf schauen sehr intensiv auf die zukünftige Wirtschaftspolitik unseres Bundeslandes. Deshalb führen wir in den kommenden Wochen auch intensive Gespräche mit Landespolitikern und befragen Experten in Düsseldorf. Düsseldorf ist mittelständisch geprägt. Wir finden hier viele familiengeführte Unternehmen mit einer großen Zahl von Hidden Champions. NRW muss wieder eine Konjunkturlokomotive für Deutschland werden. Wir brauchen eine bessere Straßen-Infrastruktur, bessere Schulen mit kleineren Klassen und mehr Lehrerinnen und Lehrern und wir müssen wieder ein Bundesland werden, in dem Forschung, Entwicklung und Innovation wieder eine bedeutende Rolle spielen. Im vergangenen Jahr konnten wir den Rheinischen Innovationspreis nicht verleihen, weil wir keine wirklichen innovativen Produkte oder Ideen in Düsseldorf und Umgebung feststellen konnten.
Wir brauchen eine neue Willkommenskultur für Investitionen und Arbeitsplätze und eine gelungene Integration von Flüchtlingen. Womit ich zu unserem zweiten Schwerpunktthema komme. Viele Betriebe engagieren sich in diesem Bereich. Sie stellen Flüchtlinge als Praktikanten oder Auszubildende ein und organisieren beispielsweise zertifizierte Mathe- und Deutschkurse. Ich freue mich sehr, dass Dr. Daniel Kleine, Henkel-Standortleiter für Düsseldorf, uns heute die vielfältigen Aktivitäten seines Unternehmens vorstellen wird. Anschließend fasst Michael Grütering die Situation für Düsseldorf aus der Sicht der Unternehmen zusammen.


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